Züchter stellen sich vor:




Robert Kratochwil



  70 Jahre , Pensionist

Hobbys:
Bergsteigen, Musik: Klassik und Jazz bis 60 er Jahre, Aquaristik

Aquarianer:
von 1948 - 1951 und wieder seit 1964 mit Vorliebe für Guppys. ÖGG-Mitglied seit 1965 mit Unterbrechung, Vorstandsmitglied und internat. Wertungsrichter.

Anlage:
auf die Bedürfnisse der Guppyhochzucht ausgerichtete offene Anlage.

· 2 selbstgebaute Holzstellagen zu je 3 Etagen und ein mit Dübeln fixmontiertes Wandregal mit gleichfalls 3 Etagen in einem Kellerabteil von 2 x 3 Metern.

· Die Becken sind wie folgt untergebracht: je 4 x 50 Liter-Becken in den beiden unteren Etagen der Holzstellagen = somit 16 Stück als Aufzuchtsbecken für Männchen.

8 x 16 Liter-Becken und 6 x 30 Liter-Becken in der jeweils obersten Etage als Aufzuchtsbecken für Weibchen, bzw. Männchen aus kleinen Würfen.

6 x 9 Liter-Becken (je 2 pro Etage) im Wandregal und 4 weiteren auf einem 300 Liter-Reservewasserbecken als Ansatz- und Ablaichbecken.

· Die Anlage umfaßt somit insgesamt 40 geklebte Glasbecken.

Einrichtung:
sämtliche Becken sind mit Glasscheiben abgedeckt.

· Zur besseren Reinigung wurde auf Bodengrund verzichtet.

· Die Bepflanzung besteht aus Javamoos oder Anubias.

Technik:
Die Temperatur wird durch Raumheizung mit Thermostat geregelt.

· Ein Gebläse saugt die Warmluft von der Decke ab und leitet sie im Flachkanal zum Boden. Das Temperaturgefälle beträgt je nach Standort 3° - 4° Celsius, die Beckentemperaturen liegen somit zwischen 24° - 28°.

· Als Beleuchtung dienen 18 Watt Leuchtstofflampen (Balkenlänge 60 cm) wovon je 2 Stück pro Etage in den Holzstellagen über den Becken auf Holzschienen verschiebbar installiert sind. Die Stromzuleitung erfolgt so, daß die Elektrokabel bei keiner Lampenstellung die Wasserober-fläche erreichen können.

· Die Wasserreinigung erfolgt grob über Innenfilter (Schwebstoffe), hauptsächlich jedoch durch Wasserwechsel.

· Es finden zweierlei Filter Verwendung. In den 50 Liter-Becken PVC-Behälter mit je einem Liter Siporax, luftbetrieben mit Steigrohr, in den kleineren Becken Schaumstoffplatten über die ganze Rückwand, gleichfalls mit Steigrohr.

· Für ausreichend Luft und somit eine größtmögliche Wasserumwälzung über die Filtersteigrohre sorgt ein selbstregelnder Kompressor.

· Wasserwechsel erfolgt generell 2 x wöchentlich und zwar zu 2/3 bei den kleineren Becken und zu 1/4 bei den größeren, bzw. bei Bedarf in anderen Mengen. In Ablaichbecken mit Jungfischen wird das Wasser (fast) täglich in kleineren Mengen gewechselt.

Guppystämme:
1. Doppelschwert WienerSmaragd




als Hauptstamm ungefähr in der 30. Generation. (Am Beginn dieser Zucht wurden keine Aufzeichnungen gemacht, da das Ausgangsmaterial nicht erfolgversprechend schien).

· Das Ausgangsmaterial erhielt ich Mitte der 70er Jahre von Herbert Fidi. Erst als nach wenigen Generationen mit Männchen von einem unbekannten Züchter eingekreuzt wurde, bestand Aussicht auf eine erfolgversprechende Weiterzucht und der Stamm fand Aufnahme in die Zuchtkartei.

· Nach 20 Generationen wurde mit Männchen von Walter Knieling - der meine Wienersmaragd einige Generationen züchtete - und mit völlig fremden Wienersmaragd-Weibchen von Erwin Renner, wechselseitig ein- bzw. rückgekreuzt.

· Nach weiteren 4 Generationen - der Stamm war inzwischen wieder gefestigt und wies ein einheitliches Erscheinungsbild auf - wurden blonde metallic Doppelschwert-Männchen von Arkenbout eingekreuzt, die mit meinen Wienersmaragd verkreuzt waren.

· Nunmehr, nach weiteren 4 Generationen, ist der Stamm auch mischerbig auf blond, wobei ein Teil der "Blonden" derzeit das weitaus bessere Wienersmaragd Muster aufweist. Die in den Würfen vereinzelt auftretenden Metallic sind hingegen völlig unbrauchbar.



2. Doppelschwert snakeskin

grau mischerbig auf albino.





· Dieser Stamm kam nach inzwischen 6 Generationen nicht über das Versuchsstadium hinaus und erreichte nie auch nur annähernd die Qualität meiner Wienersmaragd, obwohl wiederholt mit diesen eingekreuzt wurde.



3. Triangel grau (metallic) pastellblau




Dieser Stamm geht auf eine Verkreuzung von Magoschitz-Männchen mit snakeskin Weibchen von Max Kahrer zurück und schwimmt bereits in der 12. Generation. Es ist dies der am schwierigsten zu züchtende Stamm den ich je pflegte. Die Zuchtmethode ist die gleiche wie bei "Blue-grass" und es bedurfte bereits zahlreicher Ein- und Rückkreuzungsversuche um die 12. Generation überhaupt zu erreichen.

· Selbst wenn die Zucht nicht lohnend ist, mit dem dafür erforderlichen Aufwand könnte ich leicht 2 - 3 andere Triangelstämme halten, reizt sie mich um so mehr. Dieses "Zähneausbeißen" finde ich als die wirklich lohnende Herausforderung in der Guppyhochzucht, nicht das Nachvermehren von dem, was Andere erzüchtet haben. · Auch war, bzw. ist dieser Stamm Ausgangsmaterial für mehrere Versuchszuchten mit Fischen der Grundfarben blau (rr), blond (bb) und albino (aa). So läuft derzeit ein Versuch die doppeltrezessive Grundfarbe weiß (bbrr) zu erzüchten.

4. Triangel halbschwarz gelb/weiß




z.T mischerbig auf albino/blond.

· Der Stamm geht auf eine Verkreuzung von halbschwarz/gelben mit albino/weißen Triangeln nach der jeweils vierten Generation hervor und sollte ursprünglich dazu dienen, erst nachträglich bemerkte, erblich bedingte Verkrümmungserscheinungen bei den Albinos zu korrigieren.

· Dies ist trotz strenger Zuchtauslese, nach nunmehr drei Generationen, leider noch immer nicht gelungen und es müssen oft ganze Würfe weggegeben werden. · Sollte dies in absehbarer Zeit nicht behoben sein, wird die Population aufgelassen, denn noch einen weiteren Problemstamm will ich mir nicht aufhalsen.



Besonderheiten:
gibt es weder bei der Hälterung, noch bei der Fütterung.

· Gefüttert wird in kleinen, bzw. kleinsten Portionen, dafür oft und abwechslungsreich, nach dem Motto: wer frisst bekommt, wer nicht will - hat schon gehabt! Extrawürste gibt es nicht.

· Für den Wasserwechsel steht ein 300 Liter Becken zur Verfügung, in dem das Wasser zwei Tage lang umgewälzt wird, ehe es Verwendung findet.


Zuchtmethoden und Motive:
· Die Zucht erfolgt nach den Mendel´schen Erbregeln, den speziellen Erfahrungen mit dem jeweiligen Stamm, sowie den präzisen Aufzeichnungen u.a. in der Zuchtkartei.

· Wichtigstes Zuchtziel sind formschöne, grazile Körper - bei den Wienersmaragd mit der intensiven Mäanderzeichnung, - gute Proportionen, also Flossen im richtigen Größenverhältnis zum Körper, die das für den Guppy so typische Schwimmverhalten nicht beeinträchtigen und harmonische Farben, mit Vorliebe für zartes Pastell.

Zuchtansatz:
Überwiegend werden drei übereinstimmende Männchen mit zwei bis vier Weibchen angesetzt. Einzelmännchen seltener, meist nur für Zuchtversuche.

Zuchtauslese:
Bei allen meinen Stämmen sind zumeist die kleinsten Männchen die schönsten, die größten durchwegs unbrauchbar und werden daher bereits vorzeitig aussortiert, weil sie viel fressen und später weder grazile Formen noch gute Proportionen aufweisen, somit das Erscheinungsbild des Stammes verfälschen, also auch zur Nachzucht ungeeignet sind.

· Nachdem ich an Ausstellungen teilnehme und für viele Wertungsrichter die Größe der Fische das wichtigste Kriterium zu sein scheint, wird jeder Zuchtansatz zum Gewissenskonflikt, der für gewöhnlich in einem Kompromiß zwischen den schönsten (kleinen), sowie weitgehend noch schönen größeren Männchen, endet. Daß die meisten meiner Stämme mischerbig gehalten werden, erschwert die Auswahl zusätzlich.

· Bei den Weibchen werden schlankere, mit langgestrecktem Hinterkörper bevorzugt, weil sie erfahrungsgemäß formschöneren Nachwuchs hervorbringen. Was jedoch den Nachteil geringerer Wurfzahlen gegenüber fülligeren Weibchen hat.

Zuchtmethode:
· Die Zuchtmethode würde ich als lose Linienzucht nach dem Ziehharmonikasystem bezeichnen. Parallel, getrennt laufende Linien gibt es jeweils nur über wenige Generationen.

· Ausschlaggebend hierfür ist die Platzfrage, denn jeder Wurf wird getrennt aufgezogen, selbstverständlich auch Männchen und Weibchen. Von den Weibchen allerdings nur eine beschränkte Anzahl, in der Regel 5 Stück pro Wurf. Bei den Weibchen ist es insofern leichter, weil man zumindest Triangel- und Doppelschwertweibchen gut unterscheiden und daher gemeinsam halten kann.

· Pro Ansatz werden vorerst 2 - 4 Würfe aufgezogen, und später auf die besseren 1 - 2 reduziert. Die Ansätze erfolgen möglichst zeitversetzt, so daß zumeist halbwüchsige und ausstellungsreife Fische schwimmen. Dies ist besonders bei Doppelschwert wichtig, die ihre Ausstellungsreife kaum vor 10 Monaten erreichen.

· Von jedem Stamm sind so jeweils 2 - 4 Würfe vorhanden, die von zwei bis drei Linien sein können, aber auch nur von einer einzigen, wenn diese die eindeutig bessere ist, oder dem Zuchtziel am nächsten kommt.

Einkreuzung:
· Eingekreuzt wird sehr selten. Der letzte erfolgreiche Versuch bei Doppelschwert liegt 3 Jahre zurück. Bei den Triangeln gab es nach 1996 kaum mehr eine Einkreuzung welche die 4.Generation überdauerte. In diesem Standard wird dermaßen viel zusammengekreuzt, daß die Ausstellungen hauptsächlich von Hybriden beherrscht werden. Eine Verbesserung eigener Stämme ist mit solchen Fischen praktisch nicht möglich, im Gegenteil zumeist ruiniert man diese damit.


Soweit der gegenwärtige Stand meiner Anlage und meiner Guppyzucht. Unter den derzeitigen Gegebenheiten besteht nicht die Absicht in der Anlage etwas zu verändern und auch was die Guppystämme anlangt, sehe ich auf Grund der obigen Ausführungen kaum Perspektiven, die über meine eigenen Zuchtergebnisse hinausgehen.