Meine Doppelschwert blond




von Robert Kratochwil





Meine blonden Doppelschwertguppys gingen aus einer Kreuzung zwischen dem Wienersmaragdstamm und ganzflächig metallic Blonden hervor. Im Sonnenlicht kommt das Wienersmaragd als zartes Grün deutlich hervor, bei Kunstlicht ist lediglich ein kräftiges metallic-gelb auf dem Mäandermuster sichtbar.

Aber der Reihe nach. Nach ca. 2 Dutzend Generationen – durch zeitversetzten Ansatz und Rückkreuzung schwimmen bei mir durchwegs 2 Generationen zur gleichen Zeit – entschloß ich mich zu dem oben erwähnten Ansatz der meinen Stamm entscheidend verändern sollte.

Die F1 Männchen brachten neben der diesem Stamm typischen mäanderartigen Zeichnung, ein durch das Metallic bedingte, intensiv glänzendes Wienersmaragd. In der nächsten Generation war ein Viertel des Nachwuchses blond. Eine Rückkreuzung war nicht möglich, da die Zuchtmännchen inzwischen das Zeitliche gesegnet hatten. Die blonden Männchen wiesen keine Besonderheiten auf. Nunmehr erfolgte der Zuchtansatz mit jeweils blonden Männchen auf graue, mischerbige Weibchen und mit grau-mischerbigen Männchen auf blonde Weibchen, was pro Wurf eine Parität zwischen den beiden Farbschlägen brachte. Unterschiede beim Nachwuchs waren nicht festzustellen. Das lief hervorragend, solange eine Rückkreuzung auf meinen Ursprungsstamm möglich war.

Aus mir unerklärlichen Gründen waren die Weibchen meines Ursprungstammes alle Paar Jahre sehr hinfällig und zwar die aller Würfe in diesem Zeitraum und stürzten ohne besondere Vorzeichen reihenweise ab. Bei den Männchen hingegen gab es diese Probleme nicht. Da es sehr viel Nachfrage, insbesondere nach den Weibchen gab und ich schwer nein sagen konnte, was sich als entscheidender Fehler herausstellen sollte, kam es schließlich dazu, daß eines Tages, nach einem dieser Abstürze, keine mehr zum Rückkreuzen vorhanden waren.

Somit war nur mehr eine Geschwisterpaarung möglich, was zwar vorerst einige positive, wie sich aber bald herausstellen sollte, überwiegend negative Folgen hatte.

Als positive Folge erschien auf einem Teil der blonden Männchen eine Mäanderzeichnung, wie sie sonst nur für Wienersmaragd typisch ist, aber doch anders als bei meinen Fischen. Nicht so feingliedrig, sondern größer strukturiert und mehr querbändrig. Auf meinen Grauen hingegen war die bisher so hervorragende Zeichnung größtenteils weg und nur mehr rudimentär vorhanden.

Nun bin ich kein Genetiker, sondern stütze mich mehr auf Erfahrungen. So wurde mir schon vor langem bewußt, daß für die Zeichnung und auch die Färbung bei den Wienersmaragd dem X-Chromosom eine maßgebliche Bedeutung zukommt. Ob es an einzelnen Genen liegt oder an Genkombinationen, oder gar am Zusammenwirken mit Genen auf dem Y-Chromosom – hormongesteuert sowieso – blieb mir bis heute unklar. Nachdem diese Zeichnung nur bei den Blonden auftritt, wenn auch nur bei einem Teil, scheint mir ein Zusammenhang mit dem rezessiven Gen für b als die logische Erklärung. Denn egal wie ich ansetze oder rückkreuze, auf den grauen Männchen erscheint sie nicht. Zu denken gibt mir insbesondere, daß die Zeichnung auf „meinen“ Wienersmaragd nicht mehr in ihrer ursprünglichen Form vorhanden ist. Dies deutet mir eher darauf hin, daß hier mehrere Gene im Spiel sind, von denen eines oder mehrere durch das Verkreuzen nach und nach herausgemendelt wurden. Am Gen für Metallic kann es auch nicht liegen, denn nach dem Einkreuzen verstärkte dieses lediglich das Wienersmaragd, ohne die Zeichnung nur im Geringsten zu beeinflussen. Weiters scheint mir eine dominante Überlagerung unwahrscheinlich, denn rezessive Merkmale treten bei fortlaufender Inzucht, erfahrungsgemäß nach einiger Zeit (fast) immer bei dem einen oder andern Fisch wieder auf.

Die Männchen die ich in meinen Stamm eingekreuzt hatte, entstammten offensichtlich einer nicht gefestigten Population. Ist der Doppelschwert bereits so der am schwersten zu züchtende Guppy – man soll sich nicht davon täuschen lassen, daß es in diesem Standard zahlreiche, über lange Jahre gut durchgezüchtete Stämme gibt, die sich in der Regel in den ersten Generationen ohne großen Aufwand leicht nachvermehren lassen, – denn es sind mehr Kriterien zu beachten als in jedem anderen Standard, so kamen nunmehr alle Probleme dazu die man sich denken kann. Das reicht von ungleichen Schwertern bis zu farblosen Rückenflossen! Es ist nicht übertrieben, aber vor dem Einkreuzen brachte jeder Wurf Ausstellungsgarnituren hervor. Derzeit ist bestenfalls der Nachwuchs jedes dritten oder vierten Weibchens brauchbar und auch davon lassen sich nur wenige wirklich gute Garnituren herausselektieren. Da ist es ein schwacher Trost wenn die wenigen Blonden Ausstellungssieger-Qualität erreichen, an eine Beschickung von Auslandsausstellungen ist nicht mehr zu denken.

Mußte bereits vorher jede Generation, mit erheblichen Aufwand neu erzüchtet werden weil es ja zahlreiche Kriterien zu beachten und bei der Zuchtauswahl gegebenenfalls gegenseitig abzuwägen gab, so trifft das nunmehr in vermehrten Ausmaß zu. War es bislang überwiegend nötig Kompromisse bezüglich der Körpergröße einzugehen, denn bei den kleinsten Männchen waren die Merkmale und Proportionen immer am besten ausgeprägt, die größten für die Nachzucht aus diesen Gründen am wenigsten geeignet, so treten gegenwärtig bei den Männchen fast alle Merkmale in sehr unterschiedlicher Qualität in Erscheinung. Was das für die Zuchtauswahl bedeutet ist leicht nachvollziehbar. Jede neue Generation wird aus den Würfen von mindestens 4–6 Weibchen – die alle getrennt aufgezogen werden müssen – herausgefiltert, ohne Gewähr, daß die Vorgeneration im Erscheinungsbild auch wieder erreicht wird.

Nach dem Ausstellungssieg in Wien schwimmen derzeit sechs Würfe, ein siebenter wird erwartet, dem Ergebnis sehe ich mit gemischten Gefühlen entgegen, für Spannung ist somit in den nächsten Monaten gesorgt. Daß ich, obwohl derzeit keine ausstellungswürdige DS-Garnitur meine Becken ziert, trotzdem noch immer mit Freude und Eifer dabei bin und mich die Guppyzucht ausfüllt, zeigt wieder einmal mehr, daß wir Guppyzüchter doch ein seltsames Völkchen sind.